Kategorie: Verwurstet: Gedichte zum Selberessen

Brecher

Wild peitscht der Wind die Oberfläche,
dass Wellenberge sich hoch türmen,
bis sie am Widerstand sich breche
und Gischtwolken noch weiter stürmen.

Weit draußen auf dem Meer beginnen
die wuchtig hohen Wassermassen
zu tiefen Tälern wie in Rinnen
sich rollend abschieben zu lassen.

Wenn solche Wogen landwärts brausen,
krachen als Brandung sie zum Strand,
oder sie rütteln, stürzen, sausen
auf Wellenbrecher oder Land.

Ein Mensch, der Wasserkraft erfahren,
er zollt der Urgewalt Respekt,
die uns’re Erde formt seit Jahren.
Gar mancher hat’s zu spät entdeckt.

Alarm

Soviel Stabilität der Stufen
weckt Vertrauen, das ist klar.
Und das tut Not bei “Feuer!” Rufen,
auch wenn’s nur Probealarm war.

Kein Fahrstuhl hilft jetzt mehr nach unten,
dem Treppenhaus Zugang versagt.
Man richtet sich nach Pfeilen, bunten,
so schnell, wie man zu gehen wagt.

Man soll nicht rennen, stürzen, hasten,
die Panik gilt es zu vermeiden.
Also geht’s raus zum Treppenkasten,
an Höhenangst darf man nicht leiden.

Das Dumme ist an dieser Treppe,
in einem hohen Krankenhaus
hilft nur, dass man die Kranken schleppe,
sonst kommen manche gar nicht raus.

Am Ende des Regenbogens

Je dunkler das Grau gegenüber der Sonne,
desto leuchtender strahlt der Regenbogen.
Jeder Mensch genießt dieses Schauspiel mit Wonne,
nur der Schatz am Ende – der ist gelogen.

So wenig greifbar wie die grellen Farben
ist so ein Glück, von dem man träumt.
Mitunter bleiben nur die Narben,
weil man das Festhalten versäumt.

Das beste ist dann, ohne Fragen
in dieser Wirklichkeit zu bleiben,
Glück zu genießen, nicht zu klagen,
nicht lebenswerte Zeit vertreiben.

Aufgeschossen

Jedes Fach hat eigene Vokabeln,
die Eingeweihte auch sofort verstehn.
Für Laien scheinen sie jedoch zu babeln,
im Sprachgewirr, in dem sie untergehn.

Erblickt ein Laie das Wort “aufgeschossen”,
vermeint er, einen Tippfehler zu sehen.
Das wäre zwar nicht völlig ausgeschlossen,
doch jedem Segler wird es anders gehen.

Er sieht vor seinen Augen dieses Ende,
das landseits auch als Seil bekannt,
und weiß, es legte sich um Seemanns Hände
in langen Buchten, mehrfach angewandt.

Umschlungen kann die Leine nun nicht stören.
Sie wird fachmännisch weggestaut.
Und ohne einen Ton zu hören
wird aufgeschossen – nur nicht laut.

Auswuchs

Auch wenn ein Junge aus dem Anzug wächst,
ist er noch lange nicht erwachsen.
Die Proportionen sind verhext,
und das Gesicht macht eher Faxen.

Was hilft in jenen schweren Jahren,
um seinen Körper wohl zu formen,
ist Pflege vom Fuß bis zu Haaren.
Sport schadet nicht in Maß und Normen.

Wenn endlich dann Zufriedenheit
mit seinem Körper kraftvoll strahlt,
macht besser sich der Geist bereit
zu lernen. Das macht sich bezahlt!

Davor – dahinter

Die Ostsee nimmt Anlauf auf diese Mole.
Die schweren Steine bremsen die Gewalt.
Wie wenn beim Atemzug man Luft einhole,
zieht sich das Meer zurück, bevor es knallt.

So rütteln Sog und Druck mit jeder Welle
am Schutzwall, der vom Menschen aufgetürmt.
Doch hält er hier auf alle Fälle
auch wenn es tagelang mitunter stürmt.

Hinter der Mole kräuselt sich das Wasser,
nur oberflächlich, noch bewegt vom Wind.
Die Gischt macht zwar die Molensteine nasser
und alle, die zu nah am Ufer sind.

Die Promenade zu begehen ist gefährlich.
Ein Bein vors and’re Setzen wird zum Sport.
Und wolltest du was sagen, sei doch ehrlich,
versteht man kaum ein weggewehtes Wort.

Der Griff in die Wühltruhe

Jeder der sich nach Ordnung sehnt,
braucht früher oder später einen Schrank.
Doch ist der voll, steht er davor und stöhnt.
Die Entscheidung, was zu tragen, macht ihn krank.

Immerhin zeigt sich beim Öffnen dieser Türen
recht übersichtlich und oft auch sortiert
entsprechend uns’rer eigenen Allüren,
dass wir uns greifen können was uns int’ressiert.

Genauso ist’s beim Griff in den Gefrierschrank:
Das Licht geht an, und uns wird offenbar,
was dort zuvor, dem Ordnungssinn sei Dank,
beschriftet mit System schon eingefroren war.

Wenn ich dagegen in der Tiefkühltruhe wühle,
ist das Ergebnis weniger verlässlich.
So wie mein Kopf beim Kreisen der Gefühle
sich auch verirrt, weil mein Gehirn vergesslich.

Diskriminierung

Diskriminieren heißt unterscheiden
und meint das eigentlich neutral.
Doch keiner mag es heute leiden,
es prägt ein negatives Mal.

Doch oft kann ich darüber schmunzeln,
zum Beispiel über dies’ Plakat.
Auch wenn Puristen Stirne runzeln,
trifft das Klischee hier in der Tat.

Mit mehr Humor kann man parieren,
zu viel Ernst macht das Leben schwer.
Man muss dabei nur austaxieren,
was wichtig ist, und was nicht sehr.

Ob Auto oder Schuh trifft freilich
nicht alle Männer oder Frauen.
Daher ist dies Plakat verzeihlich,
egal, ob wir darauf vertrauen.

Einfach platt

Es gibt Zeiten, da bist du einfach nur platt.
Im Sommer wohl draußen auf deiner Liege.
Im Winter, wenn’s dunkel ist, fühlst du dich matt.
und hoffst, dass dich nicht doch die Grippe kriege.

Dir wird das Abschalten ärztlich empfohlen,
dein Immunsystem optimal angeregt.
In Apotheken kannst du dir Mittelchen holen.
Der Arbeitsstress wird erst mal stillgelegt.

Was hilft, um Gesundheit zu fördern und halten?
Meist brauchst du den Mix aus Bewegung und Ruh,
um dein Leben nachhaltig gesund zu gestalten.
Andauernd zu sitzen gehört nicht dazu.

Das Liegen, auch kurz nur, lädt Batterien.
Kopf und Körper entspannen, wenn du sie lässt.
Du bekommst deine Lebenszeit nur geliehen.
Sie wird nicht länger, wenn du sie stresst.

Fleisches Lust

Für Vegetarier ist dieses Bild ein Gräul,
außer die Keule wär aus Pappe.
Ein Biss in echtes Fleisch gäbe Geheul,
doch dies ist sicherlich Attrappe.

Ein Mensch allein kann soviel Fleisch nicht schaffen.
Da drehte sich nicht nur der Magen um.
Und selbst ‘ne Horde wilder Affen
wären bei solchem Bissen stumm.

Gewiss ist aber, dass die Menschheit früher
sehr wohl erkannte den Genuss von Fleisch.
Nur hatte damals einfach sehr viel Müh er,
Zeit und Geduld, dass er ein Tier erheisch.

Die Fleisches Lust, die heute uns besticht,
manipuliert auch eingefleischte Esser.
Von and’rer Lust des Fleisches sprech ich nicht.
Die kennen die Genießer besser.