Kategorie: Verwachsen – Gereimter Wildwuchs

Was bleibt

Was bleibt, wenn Wind und Wellen nagen,
sind Wurzeln, Sand und auch Gestein.
Häuser, die an der Küste lagen,
werden die nächsten Opfer sein.

Auch wenn wir nun langsam versuchen,
die Umwelt um uns her zu schützen,
werden Küstenbewohner fluchen,
weil keine Maßnahmen was nützen.

Die Natur wird Mensch besiegen,
auch wenn Menschen oberschlau.
Wir werden unsre Rechnung kriegen,
doch wann, das weiß man nicht genau.

Verkehrsbehütet

Nehmen wir an, dies Kunstwerk sei
ganz ohne Hut gemacht.
Dann kam ein Witzbold schnell herbei
und hat sich mehr gedacht.

Nun sieht man wie auf Tannenspitzen
die Hütchen hoch aufragen,
die sonst nur auf den Straßen sitzen,
oder auch schon mal lagen.

Hier sind sie sicher aufgesetzt.
So fallen sie nicht um.
Und der Raser, der sonst hetzt,
sieht sich vor – und um.

Verfressen

Das war zuviel für eine Säge!
Wer mäht denn Gras mit einer Kette?
Auch wenn zum Bücken man nicht träge,
man mehr von Heckenscheren hätte.

Und wird so langes Gras geschoren,
das außerdem noch zäh wie Stroh,
müsste man ganz unverfroren
die Sense nehmen sowieso.

So hat die Säge Gras gefressen
und schlang es gierig in sich ein.
Der Gärtner aber unterdessen
könnte der Kettenmörder sein.

Verfall

Was du auch baust, es braucht die Pflege,
um deinem Zweck zu dienen.
Bleibst du gesund, tatkräftig, rege,
bedarf es kaum Maschinen.

Nachlässigkeit jedoch bei allen
Bauwerken von Menschenhand
führt letztendlich zum Verfallen.
Das sagt uns einfach der Verstand.

Warum nun die modernen Bauten
schneller altern als die alten,
begreifen die, die vorwärts schauten,
argwöhnend, man ließ Eile walten.

Standpunkte

Ein fester Standpunkt hilft im Leben weiter,
auch wenn es sich globale Ziele sucht.
Der Punkt wird objektiv einfach nur breiter,
als wichtige Erfahrung dann verbucht.

Jede Wurzel stützt gesamtes Werden
des Einzelnen, das endlich ausgereift.
Und jeder Standpunkt, egal wo auf Erden,
hält fest, was man an Weisheiten begreift.

Kein Hindernis bietet die feste Mauer.
Sie zu überwinden ist stets möglich.
So bleibt der Geist lebendig und auf Dauer
trotz fester Standpunkte beweglich.

Springbrunnen

Kein Brunnen springt! Wer hat das Wort geprägt?
Soviel ich weiß springt nur die Wassersäule,
mal senkrecht hoch, mal etwas abgeschrägt,
kurz angeschaltet sorgt sie für Geheule.

Der Wasserstrahl kann böse überraschen,
wenn man nichtsahnend Löcher inspiziert.
Denn hat man sich nicht einmal selbst gewaschen,
wird man da nass, wo’s keinen int’ressiert.

Meist dient jedoch zerstäubtes Wasser nur
dem Anblick oder auch dem milden Kühlen.
Nur selten springt das Wasser hoch in der Natur:
in Island aber kannst du seine Hitze fühlen.

Schwein sein

Die Örtchen, wo man dann und wann
ganz ungeniert mal Schwein sein kann,
sind kenntlich – und das ist kein Scherz –
recht vielerorts durch so ein Herz.

Da sagt man sich mit gutem Recht,
das Schweinsein ist vielleicht nicht schlecht,
und außerdem auch nur natürlich,
wenn in Maßen und gebührlich.

Sollte man nach Herzenslust,
ohne Drangsal, ohne Frust,
sich vom üblen Rest befrein,
tut es so gut, mal Schwein zu sein.

Multitasking

Ein neues Wort vom Management,
das heutzutage jeder kennt,
der mehr als eine Sache kann
zur selben Zeit; Frau oder Mann.

Telefonieren und gleich schreiben
wird dabei noch einfach bleiben.
Kettenrauchen, schreiben, lenken
muss man mehr Beachtung schenken.

Kochen, putzen, kinderhüten
wird man deutlicher vergüten.
Kaum noch Zeit zum Nächstenlieben.
Wo ist das Gefühl geblieben?

Mit Schwung

Mit Schwung lässt es sich leichter leben.
Man packt vital die Dinge an,
die sonst Anlass zur Sorge geben,
weil man sie schließlich meistern kann.

Natürlich muss man mit dem Schwingen
beim Ausholen vorsichtig sein,
es könnte andernfalls gelingen,
man schlüge etwas kurz und klein.

Gezähmter Schwung ist anzuraten.
Übermut bekommt nicht gut.
Im Einklang mit täglichen Taten
dosiert man dann die Arbeitswut.

Kultur

Fein säuberlich gepflegt wird die Kultur.
Wir Menschen sind so stolz auf was wir können.
Urwüchsig wachsen dürfen Pflanzen nur,
wo wir Bereiche für uns deutlich trennen.

Und das wird schwierig, denn in Klein-Europa
verliert Natur, die unberührt, ständig an Raum.
Kultur dagegen, das weiß ich vom Opa,
entwickelt sich rasanter als ein Traum.

Wir mischen mit beim Bausatz von den Genen,
die digitale Welt wird immer schneller,
reißt die Kultur mit sich, erlaubt kein Dehnen.
Und wo mal Urwald war, wird’s immer heller.