Kategorie: Vertieft – in dich selbst

Zwischen Baum und Borke

Manch einer meint, dass zwischen Baum und Borke
man eher eingeklemmt, denn freier sei.
Doch steckt man immerhin nicht auf der Forke,
pikanter aufgespießt mit freiem Blick dabei.

Die Freiheit, die wir stets genießen wollen,
beinhaltet die Wahl, sich zu entscheiden.
Auch wenn Respekt verlangt wird, den wir zollen,
obwohl wir Mehrheit, die gewann, nicht leiden.

Doch gibt es zwischen Baum und Borke Leben,
das wenig Nährstoff braucht, um auszutreiben.
Wer Chancen sieht, muss sie auch nicht vergeben,
wenn dabei andere zufrieden bleiben.

Zusammen

Manchmal hält ein Band zusammen,
das nicht jedem offenbar.
Bei der Muschel aber stammen
gleich zwei Teile als ein Paar.

Während sie zusammen haften
von Beginn an, artgerecht,
müssen Menschen erst verkraften,
sich zu binden – sonst ist’s schlecht.

Wenn nicht zwei zusammenfinden,
stirbt die Menschheit einfach aus.
Doch wird man’s nie unterbinden.
Paarbildung macht Leben aus.

Zu romantisch

Zu romantisch, um zu zweit zu sitzen,
und die Stille walten lassen rund umher.
Trüb doch ungetrübt von Geistesblitzen
wirkt Natur natürlich umso mehr.

Ohne jenes Phone, das smarte,
spürst du keine Strahlung, die dich trifft.
Und der Nebelhauch, der nass-kalt zarte
weht an dir vorbei in leiser Drift.

Der Geruch von Raps vermischt die Noten
feuchter Seebepflanzung nur diffus.
Schließlich wird ein Froschkonzert geboten,
kilometerweit zu hören als ein Gruß.

Wer wen?

Wer füttert wen im Zweifelsfalle,
wenn beide Körner leiden?
Wenn davon doch genug für alle,
dann gibt’s kein Futterneiden.

Dann lässt sich friedlich Toleranz
zu fremden Arten üben.
Mit sattem Bauch wird jeder ganz
gewiss nicht Stimmung trüben.

Doch wehe, wird das Futter rar,
dann zeigt man seine Stärke,
stellt sich als etwas Bessres dar
und geht brutal zu Werke.

Wer weiß wohin?

Wer weiß, wohin die Reise geht,
hat sicher gute Karten.
Die Vögel aber, wie ihr seht,
können auch ohne starten.

Ein Schwarm fliegt wohl koordiniert,
egal, wohin es geht.
Was jeden aber interessiert,
ist, was im Fahrplan steht.

Für Vögel gilt oft nicht das Ziel,
sondern der Spaß am Fliegen.
Gemeinsam üben sie das viel,
und jeder muss sich fügen.

Waidmanns Dank

Mit viel Geschick krönt das Präsent
mit Hirschgeweih und Sahne,
den Jäger, der sein Waidwerk kennt,
wobei ich Süßes ahne.

Der Baumstumpf ist nicht wirklich echt,
die Borke Schokolade,
die Jahresringe sind nicht schlecht
und alles ohne Made.

Hier war ein echter Handwerksmeister
im fremden Jagdrevier.
Er nahm statt Flinte Zuckerkleister,
baute die Torte hier.

Von oben herab

Dies Bild gibt uns ein Rätsel auf:
nicht nur das Wasser strömt von oben,
vielmehr scheint Stein hier im Verlauf
von oben auch herabzutoben.

Doch klug und weise, wie wir sind,
fast arrogant in unserm Wissen,
lernen wir freilich schon als Kind
dass Steine so nicht fallen müssen.

Sie fallen wohl, doch erst nach Würfen,
und niemals so wie Wasserfall,
weil sie auch, wie wir, nicht dürfen
was sie wollen, überall.

Vertieft

Kannst du dich in dich selbst vertiefen,
folgst du Gedanken äußerst konzentriert.
Du merktest nicht, wenn andere dich riefen
oder was sonst um dich herum passiert.

Ungeachtet lauernder Gefahren
gibst du dich ganz deiner Sache hin,
das Jetzt verdrängt die Dinge, die mal waren,
nicht in die Zukunft richtet sich dein Sinn.

So geht es Forschern, nur ein Ziel vor Augen,
dass ihr Bemühen von Erfolg gekrönt.
Es könnte links und rechts für and’res taugen,
das später als gefährlich dann verpönt.

Versteckt

Ein Bild, in dem man suchen kann,
und man entdeckt, ob was versteckt,
regt Fantasie besonders an,
weil wacher Geist dann aufgeweckt.

Die Augen wandern hin und her,
scannen die Farben, mustern, tasten,
ob nicht Bekanntes sichtbar wär
im Ungewissen und Verblassten.

Wenn der Betrachter schließlich meint,
sein Blick wär magisch angezogen,
er sähe viel mehr als uns scheint,
hat er womöglich doch gelogen.

Trockenfallen

Im Watt kennt man das Trockenfallen,
wenn bei Ebbe Wasser geht.
Hier am Teich sieht man vor allem,
dass das Schilfrohr höher steht.

Wenn in Dürreperioden
Wasserstände heftig sinken,
kann am Ufer dann der Boden
deutlich anfangen zu stinken.

Trotz der Dürre blieb hier Wasser,
das die Wasserpflanzen trägt.
Kleine Teiche trifft es krasser,
bis alles sich zu Grunde legt.