Kategorie: Versunken – Tiefliegende Gedanken

Wind auf hoher See

Wild peitscht der Wind die Oberfläche,
dass Wellenberge sich hoch türmen,
bis sie am Widerstand sich breche
und Gischtwolken noch weiter stürmen.

Weit draußen auf dem Meer beginnen
die wuchtig hohen Wassermassen
zu tiefen Tälern wie in Rinnen
sich rollend abschieben zu lassen.

Wenn solche Wogen landwärts brausen,
krachen als Brandung sie zum Strand,
oder sie rütteln, stürzen, sausen
auf Wellenbrecher oder Land.

Wattenmeer

Enttäuschend mag für Gäste sein,
die nicht die Nordsee kennen,
dass weite Wege Watt allein
sie noch vom Wasser trennen.

Da wollte man doch baden gehn,
das Handtuch eingepackt!
Nun ist vom Wasser nichts zu sehn,
im Schlickwatt man versackt.

Und Boote stehen auf dem Sand,
nur ganz weit draußen segelt
wer sich auskennt mit Nordseestrand,
der tidenhubgeregelt.

Typisch Aquarell

Denkst du an Meer und Wolken, ist dir klar,
dass beides eigentlich nur Wasser.
Dessen Zustand zeigt, fürwahr,
sich hier allerdings fast krasser.

Das Aquarell trennt ganz klar scharf
die Wasserwolken oben
tropfnass, weil’s doch nicht tropfen darf,
und Tröpfchen, die hochstoben.

Während das Meer in Wogen ruht
und jeden Lichtstrahl spiegelt,
tut Aquarellfarbe ihm gut
auf dem Papier besiegelt.

Tief gesunken

Man sagt von Menschen, dass sie tief gesunken,
wenn ihnen nicht viel bleibt als nacktes Leben.
Doch immer schlummert noch der Götterfunken,
auch wenn er grade nicht viel Freude hat zu geben.

So bei der Wolke, die das Meer hier fast berührt:
sie senkt sich tief, doch über ihr wird’s helle,
was dann erfreulich zu der Aussicht führt,
dass immer wieder Hoffnung ist zur Stelle.

Der Silberstreif ist nicht am Horizont,
er versteckt sich hinter dunklen Schichten.
Die schiebt zur Seite man wie Wind, gekonnt,
und vermag vielleicht ein neues Land zu sichten.

Regenschieber

Eben noch im Sonnenschein
hat man die Wärme sehr genossen,
da schleicht sich Regen ganz gemein
heran und hat uns schnell begossen.

Wär nicht der Wind, bliebe man trocken.
Über Wasser könnt es regnen,
bis dass die Wolken trocken locken
und uns nur harmlos noch begegnen.

Ohne den Wind, den Regenschieber,
würde jedoch an Land nichts wachsen.
Darum ist uns doch Regen lieber.
Wir machen sowieso nur Faxen.

Regenguss

In einem kleinen Boot auf See,
wenn Wellen mit dir rauf und runter fahren,
und Wasser über Bord kommt, tut’s nicht weh,
doch wirst du leicht mal nass mit Haut und Haaren.

Und plötzlich platzt in sattem Guss von oben
der Regen wie aus Eimern auf das Wasser.
Die Wellen hören einfach auf zu toben
und werden spiegelglatt, doch du wirst nasser.

Da aber Regen, wie bekannt, nicht salzig,
spült es das Salz vom Deck und aus den Haaren.
Man ist nun pudelnass und fühlt auch kalt sich,
verstanden nur von einem, der’s erfahren.

Optimisten

Anders als die Optimisten,
wie man Jollen auch genannt,
segeln sich die alten “Kisten”
ruhiger mit fester Hand.

Hast du Segel hochgezogen,
wartest du noch auf den Wind,
der sie bläht in sattem Bogen,
bis sie prall für Vortrieb sind.

Wer segelt ist ein Optimist,
der alles Mögliche vergisst.

Mondlicht

Viele meinen, Mondlicht sei nur fahl,
sei kein Vergleich mit Sonnenlicht natürlich.
Doch sieht man auch im Dunkeln auf einmal,
fühlt gleichzeitig die Stimmung unwillkürlich.

Viel mehr als helles Sonnenlicht, das Augen fesselt,
vermag der Mond die Seele zu befreien.
Optisch beschränkt und eingekesselt
lassen die Sinne das Gefühl gedeihen.

Segler im Hafen schätzen das Gefühl der Ruhe,
nachdem sie tags gekämpft mit Wind und Wetter.
Es verblassen Wettstreit und Getue.
Vielleicht macht Mondlicht einfach Menschen netter.

Lichtblicke

Mag sein, die Welt schaut trübe aus,
Machtstreben, Reichtum oder Neid darauf
vernichten tausenden von Menschen Land und Haus,
und nehmen billigend auch ihren Tod in Kauf.

Im Großen Ganzen ist der Mensch nicht besser
als das von ihm missachtete Getier.
Nur kämpft er listig bis aufs Messer,
getrieben von Besessenheit und Gier.

Die meisten Menschen suchen aber Frieden.
Sie wollen miteinander leben ohne Streit.
Sie hätten Krieg und Waffen gern vermieden
und wären lieber kompromissbereit.

Kaum Schutz

Kaum Schutz vor dem Wetter, das unbeirrt naht,
bieten wacklige Stege statt Häfen.
Doch liegt man zusammen und dünkt sich parat,
wenn die Stürme die Bucht einmal träfen.

Gemeinschaft erleichtert, das drohende Sausen
mit Hilfe, wenn’s Not tut, zu lindern.
Man steht eng zusammen und trotzt dem Brausen
der Macht. Keiner kann sie verhindern.

Das Wetter macht ohne uns was es will,
wir müssen nur damit leben.
Ob mit oder ohne globales Gebrüll
wird es Desaster stets geben.