Kategorie: Versenkt – Verse(gesche)nkt

Wo Licht ist, ist auch Schatten

Sprichwörter sind oft trivial,
Aussagen zwar verständlich,
ob man sie kennt jedoch egal,
weil Gültigkeit unendlich.

Man könnte stundenlang parlieren
von Sprichwörtern getragen,
und meinen, schamlos zu brillieren,
und wirklich nichts zu sagen.

Ist dies Diplomatie in Rein,
die großen Reden schwingen
und immer nur schön allgemein,
nur nichts Konkretes bringen?

Wind aus West

Wenn Winde stets aus Westen wehn,
wird Wachstum ihnen weichen.
Das kann man auf Freiflächen sehn
an Weiden, doch auch Eichen.

Dem permanenten Wind entgegen
erfordert sehr viel Kraft.
Es fällt schwer, sich fort zu bewegen,
was man als Mensch kaum schafft.

Darum ist mancher sehr frustriert
beim Kampf gegen Gewalten,
deren Lobby insistiert,
dass sie ihr Recht behalten.

Wenn ein Licht aufgeht

Geht mir ein Licht auf, scheint die Sonne
persönlich tief in mein Gemüt.
Und ich empfinde es mit Wonne,
wie plötzlich hell der Himmel glüht.

Ich verstehe, wie wir wohnen
auf dem Erdenball, der klein.
Ach, es müsste sich doch lohnen,
mit ihm sorgsamer zu sein!

Luft und Wasser gibt uns Leben,
das wir selten richtig schätzen.
Es gilt Mühe sich zu geben,
und sich dafür einzusetzen.

Weiter!

“Schneller, höher, weiter!” die Devise,
die bei Olympia die Menschen treibt.
Sie stürzte schon so manchen in die Krise,
der trotz der Anstrengung unsichtbar bleibt.

Nur die Spitzenleistung wird zum Schluss belohnt,
und auch aus der Spitze nur die Besten.
Keiner wird vom Leistungsstress verschont.
Und Stärkungsmittel gibt’s mit weißen Westen.

Wie viele ehrgeizige Seelen
bleiben aus dem Kader auf der Strecke,
die trotzdem täglich sich verzweifelt quälen
und hoffen, dass man schließlich sie entdecke!

Wanderweg

Ein schmaler Pfad durch’s flache Land
verbindet A mit B,
auf Karten wie ein schmales Band,
das ich mit Mühe seh.

Wenn ich beschließe, ihn zu nützen,
nehm ich es wohl in Kauf,
dass nach dem Regen große Pfützen
verwaschen seinen Lauf.

Der Untergrund von Wanderwegen
(das hat mich oft verwirrt)
kann allerdings auch mal belegen,
dass sich die Karte irrt.

Vom Winde nicht verweht

Noch nicht verweht vom Wind sind Samen,
die haargenau dazu gemacht.
Wenn du dich fragst, woher sie kamen,
hast du bestimmt an Wind gedacht.

Er lockerte die Fallschirm-Leinen,
die erst am Blütenboden halten,
und trug sie fort, die winzig kleinen
Saatkörnchen, bis in Bodenfalten.

Dort, mit viel Glück und etwas Regen,
konnten sie schließlich Wurzeln schlagen;
haben mit hundertfachem Segen
dann zur Verbreitung beigetragen.

Versteckte Kamera

Wurden früher Kameras in Maßen
mit Erlaubnis der Betroff’nen eingesetzt,
wird man heute ständig auf den Straßen
unfreiwillig objektiv gehetzt.

Dabei wird der Wert des Subjekts kleiner,
oftmals seiner Würde auch beraubt.
Immer dreister und brutal gemeiner
wird man Mobbingopfer, als man glaubt.

Keineswegs versteckt, blitzschnell gezückt,
können Handys nützen und auch schaden.
Scheinbar spielt die Wertewelt verrückt,
ethische Bedenken gehen baden.

Versenkt

Die halbe Wiese ist versenkt
vom ausdauernden Regen.
Zum Schlittschuhlaufen jetzt geschenkt,
doch Stoppeln stehn dagegen.

Auch prüft man, ob das Eis wohl hält,
bevor man es betritt.
Versenkter Fuß eher missfällt
bei vorsichtigem Schritt.

Verschenkte Chance ebenso,
wenn Eis von kurzer Dauer,
und blauer Himmel lacht grad froh,
verpasst, macht Laune sauer.

Unter Dampf

Oben rauchen, unten dampfen,
so wurde sie bewegt,
wenn hurtig Eisenkolben stampfen,
und Kohle nachgelegt.

Das Stahlroß war nicht nur Ersatz
für Pferde in der Zeit.
Es hatten viel mehr Menschen Platz
in Wagen, die bereit.

Mit der Erfindung ging sie los,
die Hetze um die Erde.
Heute fliegt man meistens bloß,
für Freizeit hat man Pferde.

Unpraktisch aber schön

Ein Fahrrad ist zum Fahren da
und nicht nur als Verzierung.
Doch was hier mit dem Rad geschah,
zeigt eine Feinjustierung.

Bestrickend bunt sind Rahmenteile,
die Reifen prall gefüllt,
für den Gebrauch hat’s keine Eile,
doch passt es schön ins Bild.

Das beste am Balkon, das Gitter,
kommt so zu allen Ehren.
Das Fundament scheint eher bitter
am Hungertuch zu zehren.