Kategorie: Versammelt und verdichtet

Verwunschen

Das Mondlicht dringt nicht tief in Meeresschichten.
Es bricht sich in den leichten Wellenkämmen.
Lebendig werden jetzt die Seegeschichten
von Ungeheuern, die nicht einzudämmen.

Die Unterwasserwelten droh’n im Dunkeln.
Man glaubt, die Wesen lauern still und tief.
Und wenn Seeleute aus Erfahrung munkeln,
schon mancher Schauer übern Rücken lief.

Verwunschen scheint die Meereswelt im Licht
des Mondes, der sich durch die Wolken schiebt,
und so geheimnisvolle Sagen uns verspricht;
sogar dem Seemann, der die Meere liebt.

Verwelkt

Verwelkt und doch nicht abgefallen
bleiben noch manche Blütenblätter stehn.
In Schnee und Eis gelingt es zwar nicht allen,
doch, so wie hier, sind sie im Winter schön.

Man ahnt noch die Strukturen alter Tage,
möglicherweise etwas Farbe auch.
Die kahlen Äste zeigen ohne Frage,
dass es noch weiter geht mit diesem Strauch.

Da warten Knospen auf die Sonnenwärme,
da stören alte Blüten keinesfalls;
sind eher Nahrung noch für Vogelschwärme,
oder ein Schmuckstück für die Vogelbalz.

Verwaschen

Fata Morganas sehen meist verwaschen aus.
Da schweifen Linien in andre über.
Du traust deinem Kopf, machst dir nichts draus,
denn die Erfahrung sagt: manchmal ist’s trüber.

Du abstrahierst Verwaschenes als Klares,
die Bilder, die du siehst, entsprechen eben
konkreten Dingen, sind somit was Wahres,
das du schon kennst aus deinem langen Leben.

Oft werden Sachverhalte ideal gezeichnet,
jedoch auch dann weiß man, sie sind es nicht.
Wie schön sind Aquarellfarben geeignet
sie zu verwaschen; Spielerei mit Licht!

Verwaist

Im Winterweiß die weiße Kathedrale
ragt hoch auf in das Himmelblau,
als würfe sie sich groß in Schale,
ein gewaltig schöner Bau.

Verwaist sind Äste von den Bäumen,
die sich davor im Park befinden
und im Kontrast den Bau umsäumen,
dunkle mit weißen sich verbinden.

Was Menschen filigran gebaut
wirkt so naturnah imitiert.
Nur höher hat man sich getraut,
und glaubt noch heute, nichts passiert.

Versunken

Mitunter fällt hier so viel Regen,
dass ganze Wiesen in dem Nass versinken.
Dann mag man zweifeln, dass das Wasser Segen,
wenn nur vereinzelt noch solch Blätter winken.

Es dauert lange, bis die “Seen” weichen,
der ganze Boden ist voll durchgetränkt,
die Moleküle sich die “Hände” reichen,
wie man sich sowas manchmal bildhaft denkt.

Zum Glück tritt irgendwann zu Tage
das Land, das scheinbar ganz versunken.
Wenn dann die Sonne scheint, hat ohne Frage
der Boden wieder reichlich Saft getrunken.

Dann können alle grünen Pflanzen sprießen,
und wir die Trockenheit endlich genießen.

Verstrahlt

Wenn dir die Farben nicht mehr echt erscheinen,
liegt es an dir oder der Welt ringsum.
Lieber an anderem, magst du dann meinen,
nicht an dir selbst, das wäre dir zu dumm.

Doch sollte deine Umwelt echt verstrahlen,
bist du, wie alle anderen, betroffen.
Mondstrahlen kann man schöner wohl kaum malen.
Dass wir das schätzen lernen, bleibt zu hoffen.

Ob Farben echt sind, prüft man besser vor dem Waschen.
Und nur bei Wäschestücken hilft dir die Chemie.
Das Farbempfinden schlüpft durch alle Maschen,
denn wie die Strahlen wirken, weißt du nie.

Verspielt

Wenn Winde in der Atmosphäre spielen,
werden die hohen Wolken gern gezaust.
Und je nachdem, wie schnell die Lüftchen kühlen,
sieht man, wie’s aus dem Wolkeninnern braust.

Mit Fantasie erkennt man wirre Bilder,
wobei ein jeder Mensch was andres meint.
Des einen Vorstellungen sind halt wilder,
des anderen verspielt, so wie es scheint.

Doch niemals wird so Haus und Hof verspielt,
nicht Geldeinsatz macht das Vergnügen aus.
Man braucht nur Fantasie bis dass man schielt,
und sieht ‘ne Katze fliehen vor der Maus.

Verspeist

Noch hat der Reiher nicht den Fisch verspeist,
womöglich ist er nicht zufrieden mit der Größe.
Vornehmes Essen ist minimalistisch meist,
er schaut erstaunt, gibt sich doch nicht die Blöße.

Nach kurzem Überlegen, möcht ich wetten,
wirft er den Kopf zurück und schnabuliert.
Die Kleinen zählen auch, nicht nur die Fetten.
Das haben nicht nur Menschen jetzt kapiert.

Wenn es an Auswahl beim Buffet an gar nichts mangelt,
empfiehlt es sich, Zurückhaltung zu üben.
Es kommt ja darauf an, was man sich angelt,
keiner fischt gern, auch Reiher nicht, im Trüben.

Verschnitten

Normalerweise kennt man als “verschnitten”
Getränke, denen etwas zugesetzt.
Hier haben nur Bildreste gelitten,
doch waren sie schon vorher bös zerfetzt.

Mit scharfer Schere und ein wenig Kleister
und, zugegeben, etwas Fantasie,
entstehen so aus Stücken von ‘nem Meister
Verschnitte, die so bunt wie vorher nie.

Nicht festgelegt in ganz konkreten Teilen
und Themen, die Betrachtern gut gefallen,
bleiben doch Wolken, die vorübereilen
oder sich irgendwie zusammenballen.

Verschneit

Der Globus sorgt für Anwechslung in Teilen,
weil rundherum Temperaturen schwanken.
Wenn einige in Schneelandschaft verweilen,
können die anderen dagegen Sonne tanken.

Beide Klimaten neigen zu Extremen,
die alles Lebende zum Kampf auffordern.
Das ist nichts für die Faulen und Bequemen,
die liegen bleiben, aber Essen ordern.

Wenn Schnee verweht und Straßen nicht zu brauchen,
stockt der Transport zum täglichen Versorgen.
Dann hackt man Holz, damit Schornsteine rauchen,
schippt ständig Schnee, und wartet auf den Morgen.