Kategorie: Verrückt – Daneben dichten

Was übrig bleibt

Viele Jahre müssen wohl vergehen,
bis von einem großen Baum
nur noch dieser Ring zu sehen.
Man erkennt den Baum ja kaum.

Allerdings hat höchstwahrscheinlich
doch ein Mensch Hand angelegt,
und mit Kennermiene reinlich
den Stamm unten abgesägt.

Nach Abtransport des Stammes dann
blieb ein Stumpf solide stehn,
doch, wie man hier sehen kann,
schien die Mitte zu zergehn.

Lebewesen vieler Arten
haben sich davon ernährt.
Und wenn wir noch länger warten,
ist der ganze Baum verjährt.

Waschbrett auch

Zum Rubbeln tut’s ein Waschbrett auch.
Muskeln braucht’s dazu natürlich,
nicht nur für einen Waschbrettbauch,
sondern auch sonst schon rein figürlich.

Jede Bewegung geht nicht ohne
die Muskeln, die an dem Skelett.
Und damit sich das Rubbeln lohne,
gab’s früher eben ein Waschbrett.

Das Wäscherubbeln spart man heute
dank Waschmaschinen gänzlich ein,
womit einst viele fleiß’gen Leute
verbrachten viel Zeit, Müh und Pein.

Das alte Waschbrett kommt hingegen
als Rhythmusgeber richtig gut.
Den Finger drüber zu bewegen
geht lauter mit ‘nem Fingerhut.

Warnung

Die Warnung vor den Krokodilen
erscheint in Deutschland übertrieben.
Jedoch sind Hinweise bei vielen
häufig außer Acht geblieben.

Wenn bei Sturm am Strand Gefahren
durch die Unterströmung lauern,
gibt es in fast allen Jahren
viele Tote zu betrauern.

Sich über Warnung wegzusetzen
zeugt mehr von Dummheit als von Können.
Wer sich beginnt zu überschätzen
muss seine Grenzen doch erkennen.

Wer trotzdem wagt was er nicht kann
erwartet was von Rettungskräften!
Sie gehen ehrenamtlich ran,
mit Lebenseinsatz – nicht Geschäften.

Verkohlt

Fühlst du dich verkohlt, was dann?
Schnappst du dann beleidigt ein?
Oder sagst du dir, ach Mann,
lass die Albernheiten sein!

In jedem Fall hilft hier Humor,
herzlich über sich zu lachen.
Dann komm’n sich andre albern vor,
und du kannst fröhlich weitermachen.

Denn ein Verkohlen ist meist Scherz,
im Gegensatz zu dem Betrügen.
Verkohlen tut man doch mit Herz,
nicht aus Bosheit anzulügen.

Wer einen Stamm, wie hier, verkohlt,
hat sich das Feuer selbst geholt.

Verblüht

Die Stockrose ist nun verblüht.
Die Blütenblätter fielen.
Doch was man endlich jetzt hier sieht,
sind Samen an den Stielen.

Sie locken keine Bienen an,
die Farben unscheinbarer.
Doch sind sie reif und fallen dann
zu Boden. Artbewahrer!

Was man an diesem Bild erkennt,
ist, dass auch nach der Blüte,
wenn von der Jugend weit getrennt,
Schönheit hat ihre Güte.

Auch wenn du denkst, du siehst nur Falten,
sie haben inn’ren Wert, die Alten!

Ungenutzt

Die Bank, die mal ganz nützlich war,
ist so kaum noch von Nutzen.
Darum würd’ man sie um ein Haar
glatt übersehn – dann stutzen.

Es scheint, als hätte wer versucht,
die Bank mal zu befreien.
Doch war das Vorhaben verflucht,
weil Ranken schnell gedeihen.

Aber auch andre schöne Sachen,
die länger stehen ungenutzt,
sind nur ganz hinten auszumachen,
wo man im Schrank nur selten putzt.

Sogar Gehirne, sagt man, möchten
täglich genutzt werden, erweitert,
wobei versucht wird, zu entflechten
was unser Wissen noch verbreitert.

Überzogen

Ein Bild im Wortgebrauch ist leicht mal überzogen.
Man möchte einfach etwas stark betonen.
Vom Himmel wurd’ das Blaue nie gelogen,
unter gebog’nen Balken will man gar nicht wohnen.

Die Sonne geht nicht auf, kommt man ins Zimmer,
und man mutiert nicht, weil man hilft, zum Engel.
Wenn mal ein Stein vom Herzen fällt, wär’s schlimmer,
denn Steine dort wären Gesundheitsmängel.

Auf Kuchen aber magst du Überzug glasiert,
als Deko oder nur aus Schokolade.
Und überzogen wird manch Möbelstück lackiert,
denn Flecken auf dem Holz sind eher schade.

Im Winter sind oft Äste überzogen
mit einen dünnen oder dicken Schicht von Eis.
Sie werden dadurch leicht hinabgebogen,
und filigran erscheint der Zweige Weiß.

Stolzer Hahn

Man hört den Gockel förmlich krähen,
so stolz geschwellt scheint seine Brust.
Der rote Kamm kann hoch sich blähen,
er ist der Herrscher, selbstbewusst.

Die Hennen, die sich um ihn scharen,
kämpfen Rangordnung unter sich.
Doch er bestimmt es, sich zu paaren
und wann und wo dann eigentlich.

Mag sein, der Grund für das Gebaren
liegt in Hormonen festgesetzt.
So wie bei allen, die stolz waren,
allein zu herrschen und zuletzt.

Manchmal scheint die Natur verrückt,
wenn nur ein Hahn so leicht beglückt.

Stein auf Stein

Stein auf Stein, doch schräg verrückt
wird die Wand labiler.
Dennoch findet man entzückt:
dies ist was für Spieler.

In den Lücken, zum Entdecken
kleiner, netter Sachen,
könnte man manches verstecken,
Findern Freude machen.

Oder man spielt Lettern schätzen,
wie bei digitalen
Leuchtdioden, die mit Plätzen
“an” und “aus” anmalen.

Siehst das “T” hier in der Mitte
und das “I” daneben,
suchst du aufmerksam das Dritte.
Was wird das ergeben?

Spitzenkräfte

Die feine Borte an der Eisenstange
entstand aus Tropfen, die dann gleich gefroren.
Kaum geht die Sonne auf, hält sie nicht lange,
der Frost hat seine Bindekraft verloren.

Da waren Spitzenkräfte nachts am Werke,
die uns im Winter immer wieder überraschen.
Der Frost zeigt erst bei Nebel seine Stärke,
vereist sieht manches aus wie zum Vernaschen.

Nur ist der Zauber leider viel zu flüchtig,
gebietet, seine Zeit zu nutzen.
Im Sonnenlicht genießen wir ihn richtig,
bevor die Regentropfen ihn verputzen.