Kategorie: Verpackt – In Reimen und Versen

Winterlager

Nicht alles lagert komfortabel
im warmen Raum mit festem Dach.
Ein Segelboot ist nicht rentabel,
passt selten unter Dach und Fach.

Im Sommer schwimmt es meist im Wasser,
gut festgezurrt am Liegeplatz.
Wenn’s regnet, wird das Deck auch nasser.
Man zahlt trotzdem den Tagessatz.

Hast du ein Boot, dann weißt du eben,
es kostet Geld, Arbeit und Zeit.
Und doch kannst du kaum ohne leben,
es schenkt auch Freiheit, fahrbereit.

Das Winterlager nimmst du freilich,
auch hoch an Land dann, still in Kauf.
Das Wetter zwingt, mit Frost verzeihlich,
dir teure Wartezeiten auf.

Wellen Berge

Egal was du hier siehst, vielleicht sind’s Wellen.
Vielleicht auch Berge oder Wolken. Sei mal still.
Schau hin und du erkennst in Dellen
Figuren oder andres, was man will.

Der Fantasie setzt dieses Bild gar keine Grenzen.
Weiß wer es malte denn was dargestellt?
Die freie See, wie hier in wilden Tänzen,
gelb grün der Himmel, den der Tag erhellt?

Oder nur Wolken, vordergründlich unterbrochen
von Gräsern oder Drähten oder Zweigen.
Wenn das so wäre, käm ich angekrochen,
müsste mich anerkennend tief verneigen.

Doch bin ich hier mal ein’germaßen ehrlich:
Wie in der Schule beim Auslegen von Gedichten
zu wissen, was der Dichter wollte, ist gefährlich,
denn Fantasie beflügelt nur Geschichten.

Vorsicht

Das Warndreieck erscheint versteckt,
der rote Rand blanchiert.
Die Eiche sich gen Himmel reckt,
und die Form imitiert.

Damit wird dir hier klar gezeigt,
die Straße ist zu Ende,
vielleicht nach rechts und links verzweigt,
vielleicht zwingt’s dich zur Wende.

Der Baum steht mitten auf der Straße,
es geht nicht gradeaus.
So macht Natur in großem Maße
oft gradem Weg Garaus.

Völlig falsch

Mein ganzes Weltbild schwankt und fällt
mit diesem Kerzenständer.
Nie hätte ich mir vorgestellt,
dass Ketten stehn und Bänder.

Weil fest verhaftet in dem Wissen,
dass Ketten immer fallen,
wird man mich überzeugen müssen:
so ist es nicht mit allen.

Mein Denken muss ich revidieren,
muss stehen und nur staunen.
Manch Dinge kann ich nicht kapieren.
Auch die Natur hat Launen.

Verwirrend

Verwirrend sind manch Dinge auf den ersten Blick,
das eine von dem andern nicht zu trennen.
Und viele Menschen haben das Geschick,
mehr zu verwirren, statt klar zu benennen.

Das Ziel solcher Methode ist letztendlich,
zu täuschen über mögliche Befunde.
Sie reden viel und dennoch unverständlich,
gedankenlos auch einfach nach dem Munde.

Dann musst du fragen. Lass dich nicht verwirren.
Man stimmt nur zu, wenn man etwas versteht.
Ein jeder Mensch kann sich gehörig irren,
mutwillig, wenn’s um seinen Vorteil geht.

Die Demagogen und die Populisten
sind Meister solcher Sprachgewalten.
Sie mögen damit viele überlisten,
doch muss man darum nicht den Schnabel halten.

Verpackt

Sorgsam verdichtet und verpackt
wurden etliche Behälter.
Nichts mehr in ihnen eingesackt
außer Luft. Und die wird kälter.

Weil nämlich so die Unterseite
von einem Floß verkleidet ist.
Ohne den Auftrieb wär’s ‘ne Pleite.
Das Holz ging unter. Das wär Mist.

Andererseits zu schön zum Baden
scheint die Verpackung doch zu sein.
Denn sie nimmt hier deutlich Schaden
durch das Wasser allgemein.

Es hilft das schönste Packen nicht,
wenn es auseinanderbricht.

Versteck

Tatsächlich sind gute Verstecke
über Augenhöhe meist.
Man schaut zwar noch in jede Ecke,
selten der Blick nach oben kreist.

Wer also einen Baum erklimmt,
und sich dort ganz still verhält,
entgeht dem Sucher so bestimmt,
der ahnungslos darauf reinfällt.

Man muss nur fit und sicher sein,
absteigen können muss man auch.
Ansonsten fällt man selber rein
oder runter auf den Bauch.

Unterm Dach

Wie zu erwarten gibt es unterm Dach
Spinnweben, die dort unbeachtet.
Sie sind so dünn, doch viele, ach,
dass man nicht auf dem Boden übernachtet.

Denn unbemerkt im Schlaf kommen die Spinnen
und seilen sich an ihren Fäden ab.
Du kannst dem Zufall nicht entrinnen,
dass es die ein und andere zu essen gab.

Selbst in Schlafräumen, die doch wirklich proper,
kennt man, dass Spinnen sich am Tag verkriechen.
Selbst Gaze-Netze wären keine Stopper,
weil Spinnen klein sind, doch die Wärme riechen.

Man sagt ja, alles Gute kommt von oben.
Wie schön, dass wir des Nachts halt schlafen.
Schließlich bevölkern uns auch die Mikroben,
von denen uns schon Milliarden trafen.

Stockenten

Stockenten kann man leicht erkennen,
der Name fällt auch sofort ein.
Doch wüsst ich keinen Grund zu nennen,
warum denn “Stock”, nicht aber “Stein”.

Zugegeben, beide Namen
wären fraglich, wenn nicht dumm.
Über Stock und Steine kamen
auch die Enten – nicht drum rum.

Schwankend watschelnd Bein um Bein
sie den dicken Körper tragen.
Der Grund muss gar nicht eben sein,
und Kräuter können drüber ragen.

Doch gerne bauen sie zum Brüten
auf Reisig, weil es isoliert.
Die Stöckchen helfen zu behüten,
damit es nicht von unten friert.

Also doch “Stock” nicht “Stein” als Namen,
den die Enten so bekamen.

Selbst ständig

Der Mensch von heute lebt modern.
Technologie bestimmt das Leben.
Ein Smartphone in der Hand hat gern
wer den Mensch von Welt will geben.

Man ist verbunden durch die Links,
man “like”t und “dislike”t was man sah.
Doch übersieht man allerdings
was direkt nebenan geschah.

Das Selbst im Zentrum seiner Welt
im Bild für andre festzuhalten,
man selbst das Phone in Händen hält
zum eignen Postkartengestalten.

Nun stellt sich mir die bange Frage,
was, wenn ein Stromausfall global
uns Menschen bringt in Urzeit Lage?
Leben wir dann wie früher mal?