Kategorie: Vermöbelt – aber nicht verhauen

Zunehmend

Unser treuer Erdtrabant
wird zunehmend voller.
Sein Silberlicht ist uns bekannt,
denn leuchten, ja, das soll er.

Wir sehnen uns nach Vollmondnacht,
weil dann der helle Schein
das Dunkel uns vergessen macht.
Klar muss der Himmel sein.

Doch allzu oft ziehn Wolken vor,
verdecken unsern Mond,
der dadurch schnell an Glanz verlor.
Zum Glück sind wir’s gewohnt.

Zerzaust

Nicht der Wind hat hier gehaust
und die Blüten wild zerzaust,
sondern ganz aus freien Stücken
fingen sie an auszurücken.

Denn wenn solche Samen reifen,
wollen sie die Flucht ergreifen,
und sie platzen federleicht
zum Wattebällchen, das entweicht.

Winde, die sich dann erheben,
lassen tausend Samen schweben,
die die Disteln so verbreiten,
ohne Mühe zu bereiten.

Zecken

Wir Menschen sind so arrogant
und fragen nach dem Nutzen
von allem was uns schon bekannt,
und dem, vor dem wir stutzen.

Was uns nicht nützt, ist Ungetier,
zum Beispiel eine Zecke.
Doch kann die Zecke nichts dafür,
dass sie uns nicht zum Zwecke.

Sie lebt, so gut sie eben kann,
und dafür braucht sie Blut,
das sie warm einsaugt, und sie dann
lang leben kann und gut.

Wunden

Manche Wunden können heilen,
andre bleiben lang zu sehen.
Wenn Gewebe sich erst teilen,
müssen Zellen neu entstehen.

Narben bleiben an den Stellen,
die gewaltsam aufgerissen.
Und in schwierigeren Fällen
wird man transplantieren müssen.

Wird die Baumrinde befallen
oder böse aufgeschlitzt,
helfen nicht die Wurzelballen.
Nur das Fällen jetzt noch nützt.

Wie Tentakeln

Wie auch Tentakeln fest zupacken können,
hat sich hier das Efeu hochgerankt.
Man kann Stabilität erkennen,
und dass durch diese Festigkeit nichts schwankt.

Mit Rankenpflanzen hat Natur uns vorgemacht,
dass es gewaltig nützt, wenn man sich klammert
an Stützenhilfe, die dazu gedacht,
damit man nicht labil und haltlos jammert.

Nur gilt’s bei Menschen zu bedenken,
dass der Vergleich mit Efeu freilich hinkt.
Freiwillig werden Menschen Hilfe schenken,
das Efeu nimmt sich Hilfe. Und das stinkt.

Vollendung

Die Distelblüte steht in Pracht
in Farbe wie in Form.
Ein kleines Wunder ist vollbracht
und schmückt dadurch enorm.

Unscheinbar war die Pflanze erst,
nur näherer Kontakt
zeigte, mit wem du dort verkehrst,
denn Blätter sind gezackt.

Auch bei Menschen kann man merken,
dass Stacheln ganz gemein
heimlich die Aggression verstärken,
statt schön und rund zu sein.

Vermöbelt

Das Gesicht des Raums sind Möbel,
die der Mensch sich zugelegt.
Weit entfernt von Neid und Pöbel
kauft er sich, was ihn bewegt.

Mancher liebt die freien Ecken,
mancher andre stellt sie zu.
Manch Raum enthält viel zu entdecken,
andre sind karg, der Augen Ruh.

Der Möbel Farbe leiht Betonung;
ist sie grell, erkennst du Mut.
Grau und düster, Augenschonung,
finden Moderate gut.

Verlegt

Nicht nur Pflaster wird verlegt,
manchmal auch die kleinen Sachen,
die man kürzlich noch bewegt,
aber nun Probleme machen.

Im Gedächtnis wird gegraben,
Sachen können nicht verschwinden.
Glaubt man, sie verlegt zu haben,
muss man sie doch wiederfinden!

Um Ideen nicht verlegen,
was man sinnvoll weggelegt,
stellt man manchmal fest dagegen,
man hat es irgendwie verlegt.

Verdreht

Die Erde dreht sich um die Sonne,
und nach der Sonne richten wir
unsre Tage aus mit Wonne,
wenn es warm ist, so wie hier.

Auch Pflanzen, deren Tageslauf
bestimmt wird von dem Sonnenschein,
klappen Blütenblätter auf,
fangen Sonnenstrahlen ein.

Die Sonne hat die Kraft zu drehen
aus weiter Ferne bis hierher.
Das sieht man auch an den Kakteen,
an Sonnenblumen noch viel mehr.

Überdacht

Übermütig, übertrieben, jedenfalls zu viel,
weil “über” eben drüber geht.
Dann wird leicht Ernst aus Spiel.

Doch überdacht auf alle Fälle
sollten Pläne sein,
denn allzu oft noch auf die Schnelle
stell’n sich Fehler ein.

Andrerseits, auch überdenken
kann zu lange dauern,
wenn wir zu viel Zeit verschenken,
und Chancen glatt versauern.