Kategorie: Verlockt – Krause Gedanken in glatten Versen

Winter

Wenn wieder alle Farben sich
zu grau, braun, schwarz
verlieren,
die Töne klarer klingen,
die Erde nicht mehr dampft,
und Bäume nicht mehr
mit den Blättern rauschen,

dann ist der Winter
wieder Herr des Landes,
vereist die Düfte
und gestaltet wild,
und lässt uns Menschen
unerbittlich spüren,
dass wir die Erde
nicht regieren.

Wikingerboot

Die Wikinger, soweit bekannt,
schreckten nicht vorm Meer zurück.
Oft verließen sie das Land,
versuchten anderswo ihr Glück.

Holz konnten sie aus Wäldern schlagen.
(Damals gab es davon mehr.)
Und so begannen sie zu wagen,
zur See zu fahren kreuz und quer.

Die Kreuzfahrtschiffe heutzutage
sind umwelttechnisch nicht viel besser.
Sie werden eher eine Plage,
nicht Holz, aber doch Dieselfresser.

Werbung

Da hat mal wieder einer
sich Werbung ausgedacht,
ein Trickreicher, Gemeiner,
der Wirt, der dabei lacht!

Der Kunde ist der König,
sieht Freibier, Stern, und strebt
hinein, beachtet wenig,
was ihn zum Narr’n erhebt.

Denn wenn er erst getrunken
vom frischen, kühlen Nass,
hat Rechnung ihm gewunken
statt freies Bier vom Fass.

Doch wär mein Rat gewesen
jedem, der sich hier freut:
man darf nicht überlesen,
was man später bereut.

Was man sehen kann

Es kommt ganz auf die Augen an,
was ein Mensch hier sehen kann.
Will man hier landen mit ‘nem Boot,
tut das Seekartenwissen Not.

Ein Geologe wird dann wissen,
wie es kam zu solchen Rissen,
und wie die Linien gezogen,
die doppelt hier und krumm gebogen.

Der Hydrologe seinerseits
findet im hellen Felsen Reiz:
Der Wasserstand war deutlich höher.
Steigt das Land, dann fällt er eher.

Ganz anders mag ein Künstler blicken,
er sieht ‘nen Körper sich abknicken.
Und fast auch im Detail genau
ist es der Körper einer Frau.

Was bleibt

Die Sonne schenkt uns Licht und Leben.
Ihre Wärme tut uns gut.
Sollte sie zu viel Wärme geben,
verbrennt das Leben in der Glut.

Was bleibt sind nur die Rudimente
einstiger grüner Pflanzenpracht.
Und was den Tod vom Leben trennte,
durch Feuer nichtig über Nacht.

Der Menschen Kriege sind imstande,
dieselbe Wirkung zu entfalten.
Und häufig sehn wir uns am Rande,
die Erde fruchtbar zu erhalten.

Warum so und nicht anders?

Wenn Wasser in der Tonne so gefriert,
fragt man sich doch, warum auf diese Weise?
Hat wirklich jemand schon genau kapiert,
warum sich Eiskristalle bilden, leise?

Wahrscheinlich knistern sie sogar, wenn sie sich treffen,
und murmeln, wenn es passt, einander zu,
stürzen voran in Wellen oder müssen reffen,
und nur lokal gibt es ein wenig Ruh.

Da hocken sie zusammen, still zufrieden,
erzählen sich von gestern was gewesen,
und warum sie Kontakt zu wem gemieden.
Und alles kannst du auf der Tonne lesen!

Vertrocknet

Wenn wenig Erdreich die Felsen bedeckt,
so wie in den schwedischen Schären,
wirkt mancher Strauch wie dahingesteckt,
kann sich nicht gegen Trockenheit wehren.

Zum Grünen und Blühen braucht es die Erde,
die das Wasser länger kann halten,
damit über Wurzeln ein Strauch daraus werde.
Er kann sich mit Wasser entfalten.

Doch man staunt, wie auf kargem Untergrund
sich dennoch die Flora verbreitet.
Wie kam sie dahin, fragt man sich dann auch, und
wer hat ihr den Boden bereitet?

Verlockt

Wer Locken hat hätt’ lieber glatte
Haare, leicht zu kämmen.
Stattdessen hat man solche Matte!
Die kann die beste Bürste hemmen.

Und wer mit glattem Haar gesegnet,
stöhnt, dass er gerne Locken hätte.
Doch wenn er dem Frisör begegnet,
freut der sich über solche Glätte.

Der Mensch, der nie zufrieden scheint,
findet immer einen Makel.
Wer Optimismus stets verneint
bleibt gefangen im Debakel.

Tragewerk

Kernfäule an den Tragewerken
werfen doch Bedenken auf.
Höchst wichtig, rechtzeitig zu merken,
sonst nimmt die Fäule ihren Lauf.

Und wenn die Pilze, die für Fäule
Verantwortung gestehen,
erst galoppieren wie die Gäule,
kann man’s am Tragwerk sehen.

Es ist zwar nicht ein Tagewerk,
vielmehr von langer Dauer.
Die Winzlinge im Tragewerk
machen das Inn’re sauer.

Und sauer wär der Mensch gewesen,
hätt’ er die Fäule nicht behoben.
Dann könnten wir nicht stehn und lesen,
was los war im Dach oben.

Täuschungen

Wenn einer immer wissen möchte, was er sieht,
und kann mit Täuschungen nicht leben,
wär er arm dran, weil es doch häufiger geschieht,
dass unsre Augen nicht die Wahrheit wiedergeben.

Selbst wenn man meint, etwas bestimmt zu wissen,
mag doch die Wahrheit noch ganz anders sein
um die man grade allen Ernstes ist beflissen.
Auch Wissenschaftler forschen nicht allein.

Man ist tatsächlich immer gut beraten,
wenn man vor Eitelkeit sich nicht verschließt.
In täuschende Verstrickung zu geraten
ist letztlich das, was einen doch verdrießt.

Wer sich selbst täuscht, und andere dann auch,
über vermeintlich eignes Wissen,
fällt früher oder später auf den Bauch,
weil Wahrheiten ans Tageslicht doch müssen.