Kategorie: Verlesen – wie aufgesammelt

Meeresspiegel

Der Meeresspiegel steigt, sagt man,
was man am besten sehen kann,
wo flaches Land strichweise schwindet,
und man kaum noch Strandsand findet.

Wenn Polareis wird zu Wasser,
und Küstenstreifen immer nasser,
wird der Schutz hinter den Deichen
irgendwann uns nicht mehr reichen.

Und wir Menschen müssen sehen,
was durch Eigennutz geschehen:
dass wir uns zu spät bequemen,
Klimaforschung ernst zu nehmen.

Verschneit

Schneewolken ziehen ab und lassen
die Landschaft tief mit Schnee bedeckt.
Auf den Dächern liegen Massen
und Häuser werden fast versteckt.

Das Leben will zur Ruhe kommen,
Bewegungen sind eingeschränkt.
Der Hektik wird der Schwung genommen,
und stattdessen Zeit geschenkt.

Wie im Schlaf legt sich die Stille
dämpfend übers ganze Land
und bewirkt, dass Menschenwille
endlich seinen Meister fand.

Schnee und Eis

Schnee und Eis und fließend Wasser
sind dasselbe Hazweioh.
Das Eis scheint trocken, Schnee schon nasser,
flüssig Wasser macht uns froh.

Jedes Getränk dient ganz vorzüglich,
die raue Kehle wohl zu pflegen,
und macht mitunter auch vergnüglich:
kurz Wasservorrat ist ein Segen!

Und auch wenn wir im Meere baden
oder unter der Dusche stehn,
kann warmes Wasser gar nicht schaden.
Selbst Regenwasser ist mal schön.

Pusteblume

Von Pusteblumen bläst der Wind
die Fallschirmsamen weiter.
Da freut man sich, doch nur als Kind.
Später bist du gescheiter.

Dann ist dir klar, aus jedem Samen
ein “Löwenzahn” gedeiht,
der seinen “Butterblumen” Namen
dem ganzen Rasen leiht.

Klatschmohn

Hingeklatscht ins frische Grün
sieht man Mohn knallrot
mit großen Blütenkelchen blühn,
wie’s die Natur hier bot.

Wahrscheinlich hat er sich verirrt
inmitten solcher Tannen.
Man sah ihn kaum und war verwirrt,
als Mohnblüten begannen.

Bevor man also klatscht und schreit
“Hurra, Hurra, Hurra!”,
hält man sich besser still bereit
und wartet, bis er da.

Dann klatscht der Mohn ins Auge rot
inmitten frischem Grün.
Schöner Kontrast, der sich hier bot,
und nur, weil Blüten blühn.

Erster Nachtfrost

Der erste Nachtfrost überzieht die Blätter
mit einer weißen Puderschicht.
Sie verkündet Winterwetter,
ob wir das mögen oder nicht.

Die Blätter hoch von Bäumen taumeln,
sie werden schlichtweg ausgeklinkt.
Nur ganz vereinzelt bleiben welche baumeln.
Wenn Winde wehen, auch das letzte sinkt.

In Bodennähe bleibt das Grün noch länger,
doch Wachstum wird nun gänzlich eingestellt.
Der Rasenmäher wird zum Blätterfänger,
bis gar kein Blatt mehr von den Bäumen fällt.

Der Nachtfrost bringt die Zeitenwende.
Der bunte Herbst geht nun zu Ende.

Über Winden

Die Macht der Winden liegt im Ranken.
Jeder Halm, der nur den “kleinen Finger” gibt,
findet sich – sollte er sich bedanken? –
innig umwunden, gar zu eng geliebt.

Die hautnah enge Bindung kann erdrücken.
Streben nach Freiheit richtet sich nach oben.
Die Pflanzen können leider nicht verrücken,
so werden Winden auch emporgehoben.

Menschen und Tiere sind doch in der Lage,
was sie so fesseln will zu überwinden.
Man sieht aber am Ende dieser Tage,
dass manche Menschen keinen Abstand finden.

Je mehr wir selbst gefesselt sind und denken,
dass uns ein Thema nicht loslassen kann,
können uns andere ganz einfach lenken,
was unumwunden mal ganz frei begann.

Eindeutig zweideutig

Wenn wir weiter so viel müllen
bleibt tatsächlich weg das Meer.
Berge von Verpackung knüllen
wir stattdessen immer mehr.

Plastik bedeckt die Ozeane,
sie erscheinen nicht mehr blau.
Es nützt nichts, wie man auch ermahne,
wir nehmen es nicht so genau.

Wir denken an uns selbst am meisten,
die ganze Erde ist ja weit.
Wer Geld hat, kann sich alles leisten,
von Luxus, Waffen, Macht bis Streit.

Was wären wir auf dem Planeten
dann irgendwann ohne das Meer?
Dann hülfen niemandem Moneten,
und unser Leben wär nicht mehr.

Vor- und Nachteile

Alljährlich wird uns demonstriert,
was die Natur verschwendet.
Das denkt man erst, bis man kapiert,
Laub wird erneut verwendet.

Aus Blättern wird ja mit der Zeit
der Boden frisch verjüngt.
Er wächst nach oben, ist bereit,
gibt Mineral und düngt.

Bei Coniferen setzt das aus.
Sie hüten Nadelblätter.
Die seh’n im Winter besser aus.
Ihr Grün ist dann viel netter.

Origami

Die Natur kann besser falten
als ein Mensch es je bedenkt.
Denn hier sieht man, was aus kalten,
abgesägten Zweigen drängt.

Kastanienknospen, daumendicke,
braun und klebrig, unscheinbar,
enthalten Blatt- und Blütenstücke.
Wenn das kein Faltenkunststück war!

Die Kraft dazu stammt aus dem Wasser,
das durch den Zweig nach oben steigt.
Da wird ein Mensch vor Neid doch blasser,
wenn er dem Falten zugeneigt!