Kategorie: Verdreht – Ganz von der Rolle

Zwei Elemente

Die Chemiker beschreiben viele.
Das Foto hier, es zeigt nur zwei.
Doch halt, wenn ich das Wasser fühle,
sind das doch auch schon wieder zwei.

Und ein Stein besteht aus vielen
Mineralien, je nachdem,
was er einst nach dem Abkühlen
in sich schloss von alledem.

Wasser, Feuer, Luft und Erde
stellen Elemente dar,
die zu fassen als Gebärde
wichtig für die Menschen war.

Was die Wissenschaft nun findet,
Elemente, die man kennt,
freut den Chemiker begründet,
ganz in seinem Element.

Wie gemalt

Der Fotograf war keineswegs pedantisch,
er ließ den Mohn im Bild einfach verschwommen.
So leuchtet rot ein großes Feld. Gigantisch,
was wir natürlich hingetupft bekommen.

Die weißen Tupfer sind alte Bekannte,
wie auch Kamille jeden Feldrand schmückte,
bis Herbizid die Farben ganz verbannte,
und man nur noch mit Grüntönen beglückte.

Ein Maler kann auch dann die Stufen sehen,
die Ton in Ton, doch unterschiedlich zeigen,
wo Roggen, Weizen, Gerstenhalme stehen,
und sich im Spiel des Windes wiegend neigen.

Das Hinschaun macht sich allemal bezahlt:
Natur ist immer schön und wie gemalt.

Versuchung

Alle, die gerne Süßes naschen,
mögen Schokolade gern,
am liebsten Vorrat in den Taschen,
dann ist die Rettung niemals fern.

Denn Schokolade macht zwar süchtig,
doch hilft sie Glückshormone schütten.
Und damit bleibt Vernunft oft nichtig,
wer ließe sich zum Glück schon bitten?

Der Versuchung widerstehen
mag wohl edel sein, doch trocken.
Lieber lässt man sich mal gehen
und zum Naschen hier verlocken.

Kalorien werden später
nicht gezählt, doch aufgehoben.
Und die Hosen, die Verräter,
werden immer enger oben.

Tauwetter

Tau, Wetter! lautet der Befehl,
wenn man aufs Frühjahr hofft.
Man macht aus Hoffnung keinen Hehl,
zu trübe war es oft.

Die Kälte noch gepaart mit Schnee
wäre ja zu ertragen,
aber mit Regen tat sie weh.
Dunkel möcht man verjagen.

Die Kraft der Sonne will man spüren.
Sie steigt jetzt täglich weiter.
Man lässt sie rein und öffnet Türen,
ihr Anblick macht uns heiter.

Wie wenn die Sonne uns belohnt
nach Trübsinn und Verzagen,
sind jedes Jahr wir fast gewohnt,
nach Tauwetter zu fragen.

So viel dazu

Hier kann man wieder sehn, wie’s geht,
wenn Platz für die Karossen knapp.
Obwohl es klar geschrieben steht,
bringt’s Autofahrer nicht auf Trab.

Die Kiste muss schon nah am Ziele
der Begierde parken können.
Doch Möglichkeiten gibt’s nicht viele,
da müsste man ein Stückchen rennen.

Sollten womöglich Kinder spielen,
und das Auto wär verschrammt,
wär nur Wut eins von Gefühlen,
und der Kinderschutz verdammt.

Oft sind Schilder gar nichts nutz,
auch nicht für den Kinderschutz.

Schlehen

Schlehen sind wunderbare Früchte.
Nach dem Frost sind sie gediehen.
Ansonsten sind es nicht Gerüchte,
dass sie den Mund zusammenziehen.

Und weil das meiste ist nur Kern,
den man kaum entfernen kann,
haben wenige sie gern.
Und außerdem sind Dornen dran!

Allerdings muss man beim Pflücken
meistens schon Handschuhe tragen.
Dafür braucht man sich nicht bücken,
bloß mit Vorsicht sich dran wagen.

Da die Ernte ist so schwer,
und man quält sich durch die Hecken,
macht man daraus dann Likör
und genießt, wie Schlehen schmecken.

Schilfgürtel

Das Schilf, ein Gras, wächst hoch hinaus,
wenn man es wachsen lässt.
Es breitet sich auch seitlich aus,
wenn das Gebiet vernässt.

Das Wurzelwerk schiebt immer wieder
neue Sprosse über’n See.
Die sind nicht hölzern, wie in Liedern,
und tun dem Paddler auch nicht weh.

In kurzer Zeit kann so entstehen
ein breiter Gürtel uferseits.
Steckst du darin, kannst du nichts sehen
als Halm an Halm, wie Wald bereits.

Dieses Schilf bietet Verstecke
für manche Vögel ganz speziell,
ist sicherer als eine Hecke,
denn Räuber finden sie nicht schnell.

Rosenknospe

Nicht nur die Blütenblätter zeigen Farbe,
wenn eine Rosenknospe sich enthüllt.
Man sieht noch nichts von satter, gelber Narbe,
doch die fünf Kelchspitzen sind rot im Bild.

Man wundert sich, wie schnell aus einer kleinen,
geballten Knospe Blütenblätter sich gestalten,
die zart geädert gegen Licht durchscheinen,
und tagelang lieblichen Duft entfalten.

Die Knospen lassen uns von Neuem immer hoffen.
Sie geben Hinweis auf das Werden der Natur.
Doch leider sind die Gärten meist für Rehe offen,
die warten auf die Rosenknospen nur!

Was ich natürlich voll verstehe:
sie haben halt Geschmack, die Rehe.

Nicht digital

Nicht digital

Manche Geräte sind nicht digital,
und unverständlich ihr Gebrauch.
Was heute gilt als ganz normal
gab es früher aber auch.

Ein Rechenschieber war mal praktisch
und half uns sehr beim Kalkulieren.
Heute tippt man mit Fingern taktisch,
ohne den Vorgang zu kapieren.

So ist das auch mit diesem Kasten,
der, zugegeben, einfach ziert.
Sein Zweck, nicht einfach zu ertasten,
ist auch nicht digitalisiert.

Mühlenromantik

Mühlenromantik

Romantisch scheint die alte Mühle,
die ihre Flügel luftig reckt.
Doch kriegst du zornige Gefühle,
wenn dich das Klappern morgens weckt.

Wie ruhig drehen doch Rotoren,
die höher himmelwärts noch ragen.
Rhythmisches Wuppen dringt an Ohren,
du musst nicht über’s Klappern klagen.

Warum stöhnen doch die Leute,
denen die Aussicht weiß verspargelt?
Viele verdienen daran heute!
Den andern hat’s den Preis verhagelt.